Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Ausgewähltes
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Foto der Woche
EssBar
LesBar
Leserbriefe
Kleinanzeigen

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Kultur
 
Wawau-Adler-Quartett begeisterte das Publikum - 17.3.2009
Fantasievolle Interpretationen und virtuose Fingerübungen

 

(mw) Erstmals beteiligte sich die Alte Seegrasspinnerei an den Nürtinger Jazztagen und setzte mit dem Wawau-Adler-Quartett gleich einen deutlichen Akzent. Rund 60 Fans des Gypsy-Jazz – einer in Europa entstandenen Variante des Swing-Jazz - hatten sich in der KulturKantine eingefunden und waren hellauf begeistert. Das Quartett bestand aus Wawau Adler, Sologitarre, Holzmanno Winterstein, Rhythmusgitarre, Joel Locher, Kontrabass und Magnus Mehl, Saxofon. Gekonnt brachten sie die Klangfarben des Sinti-Jazz zum Swingen und überzeugten mit frei improvisierenden Soloeinlagen.

Laeder Wawau Adler, die unabdingbare Cap auf dem Kopf, machte gleich beim ersten Stück sein virtuoses Können als Sinti-Jazz-Gitarrist klar. In „Just the way you are“ von Billy Joel überzeugte er mit atemberaubenden Fingerläufen bei den Soli. Gleichzeitig war die grundlegende Bearbeitung im Stil des Gypsy-Jazz unüberhörbar, ist Adler doch mit seinem Quartett an der Renaissance des Sinti-Jazz in Deutschland maßgeblich beteiligt. Bei weiteren Stücken wechselte er auch mal blitzartig zu anderen Stilrichtungen hauptsächlich des Modern Jazz, angefangen vom Bebop bis hin zu der Melodie „Hänschen klein“. Mit rasanten Soli und Wechseln waren auch die anderen Stücke durchsetzt, wie „I left my heart in San Franzisco“ von Tony Benett oder Luis Bonfas „Manhan de Carneval“. Natürlich durften Werke von Django Reinhardt nicht fehlen wie „Swing 48“ oder „Minor Swing“. Wawau Adler ist Sinto wie Django Reinhardt. War dieser weltberühmte wallonisch-belgische Gitarrist der erste, der die traditionelle Musik der Manouche-Sinti mit dem Jazz verknüpfte, so sieht sich Wawau Adler und sein Quartett in dessen musikalischem Erbe. Auch andere Stücke standen ganz in der Tradition von Django Reinhardt und Biréli Lagrène. Magnus Mehls Saxophon-Soli und Joel Lochers Kontrabass-Soli wurden ebenfalls begeistert mit Zwischen-Applaus belohnt. Denn Joel Locher verblüffte durch hyperrasante Soloeinlagen, in denen der 26-jährige die anreißenden Finger wieselflink auf dem Griffbrett die langen Saiten herauf und hinab tanzen ließ. Schon mit 12 hatte sein Vater ins Kontrabassspielen eingeführt. Mehrere Preise bei "Jugend musiziert" und Auftritte in Orchestern und auf Festivals folgten. Und der 29-jährige Magnus Mehl gab sein Letztes auf dem Jazzsaxophon und überzeugte durch professionelles und hingebungsvolles Spiel. Ab und zu nahm er auch die Querflöte zur Hand und setzte damit einen weiteren Akzent. Kein Wunder, dass er mit seinem eigenen Quintett und dem "Ferenc and Magnus Mehl Quartett" bereits mehrere Preise gewonnen hat.
Holzmanno Winterstein, Jahrgang 1952, der im Elsaß geboren wurde und heute in einem Ort südlich von Karlsruhe wohnt, ist als hervorragender Rhythmus-Gitarrist voll auf Wawau Adler und die anderen des Quartetts eingespielt, zeigte sein Können aber auch in einer Soloeinlage. Das Gitarrespielen hatte er von seinem Vater Prinzo Winterstein gelernt. Und mit 17 Jahren war er im „Schnuckenack-Reinhardt-Quintett“ zu finden, drei Jahre später im „Häns’che Weiss-Quintett“.
Die Musiker spielten derart mit Leib und Seele, dass ihnen bald die Schweißperlen auf der Stirn standen, und mehr als einmal mussten Zuhörer der ersten Reihe die vor lauter Fetzigkeit und Rasanz zu Boden gefallenen Plättchen wieder zureichen. Was so schnell geschah, dass es zu keiner ungeplanten Synkope führte. Auch die Musiker standen in wechselseitigem Dialog und hielten mit ihrer Begeisterung fürs gemeinsame Musizieren nicht zurück.

Für zwei Stücke übergab Holzmanno Winterstein seine Gitarre an Gismo Graf, Jahrgang 1992, einem Sinto aus Stuttgart, der von seinem Vater Joschi Graf - bekannt vom „Zigeli-Winter-Quartett“ - die ersten Griffe erlernte. Wawau Adler, der das Nachwuchstalent fördern will, übernahm immer wieder mal die Rolle des Rhythmus-Gitarristen und Gismo Graf konnte dann mit seinen Solo-Gitarren-Künsten aufwarten. Der 16-jährige erhielt für seine Interpretationen von „All of me“ (Gerald Marks) und „I’ll see you in my dreams“ (Isham Jones) im Stil Django Reinhardts tosenden Applaus.

Josef "Wawau" Adler ist Jahrgang 1967, auch wenn er bei der Aufführung einfließen ließ, dass er Mühe habe, mit seinen „64 Jahren bei Gismo mitzukommen“. Er ist in Karlsruhe geboren. Sein Onkel und sein Großvater spielten Harfe in Operetten-Orchestern. Im Alter von neun Jahren begann Josef Adler Gitarre zu lernen. Er ist im wesentlichen Autodidakt. Django Reinhardts Aufnahmen studierte er immer wieder und im Alter von dreizehn Jahren war er soweit, sein erstes Konzert zu geben. Mit zwanzig war der Gitarrist über die Phase des Nachspielens oder „Spielens im Stil von“ hinausgewachsen. Technisch brillant hat er mit seiner Virtuosität für sich einen Weg geschaffen, ohne jedoch seine musikalischen „Ahnen“ Django Reinhardt und Biréli Lagrène mit dessen Routes to Django zu verleugnen. Auch bei dieser Aufführung waren von Django Reinhardt initialisierte Stücke zu hören, wie auch Edvard Griegs Komposition „Danse Norvégienne“, die bereits Django und Biréli Lagrène in fantasievollem Manouche/Sinti-Jazz interpretierten. Wieder andere Interpretationen zeugten von dem breiten Repertoire der Gruppe aus der Welt des Jazz. Obwohl Wawau Adler blitzschnell spielen kann, zählen für ihn nicht nur Technik und Schnelligkeit. Für Wawau hat die Musik der Sinti Energie und Feuer, aber es ist ihm auch ein Anliegen, mit seinem Gitarrenspiel Melancholie, Nostalgie und Eleganz auszudrücken. Und so wechselten bei dem Konzert feurige Stücke mit melancholischen Beiträgen ab. Faszinierend waren vor allem die Kreativität und die virtuosen Fingerübungen, die die Gruppe um Wawau Adler zum Besten gab.
 
Bleibt noch Michaela Saliari zu danken, die sich maßgeblich dafür eingesetzt hat, dass die Gruppe in Nürtingen spielte, und dies - unterstützt von Julia Rieger, Pit Lohse und Jochen Braunmüller - mit großem Engagement durchführte.


Manuel Werner - Fotos: Jochen Braunmüller


 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2018 Nürtinger STATTzeitung