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  Kultur
 
Erfolgreicher Poetry Slam - 13.3.2008
Der Jugendrat rief und viele kamen

 

(th) Nachdem es bereits in den Jahren 1999 und 2000 eine vom Jugendrat organisierte offene Bühne in der Stadtbücherei gegeben hatte, hat der Jugendrat im vergangenen Dezember zu einem richtigen Poetry Slam aufgerufen. Am Abend des 22. Februar traten zwölf Poeten in der Stadtbücherei vor ein umfangreiches Publikum. Als Moderator hat der Jugendrat den Texter Tobias Borke engagiert. Der schätzt an Poetry Slams, dass sie nicht so bierernst sind und meist vor einem breitgefächerten Publikum stattfinden. Nach der Begrüßung durch Florian Kuhn erläuterte Tobias Borke kurz die Geschichte und die Regeln des Poetry Slam, der von einem Freizeit-Dichter in Chicago entwickelt wurde. Die Dichter sollten an diesem Abend in zwei Gruppen antreten, aus denen an Hand der Stärke des Applauses jeweils ein Sieger ermittelt wird, die im Finale noch mal gegeneinander antreten. Dem Gesamtsieger winkte neben Ruhm und Ehre ein Büchergutschein über 15 €, der Zweitplatzierte sollte noch einen Büchergutschein über 10 € bekommen. Die Beiträge sollten nicht länger als 6 Minuten sein, höchstens zur Hälfte aus Gesang und ebenfalls höchstens zur Hälfte aus Zitaten bestehen. Beim Vortrag durften keine Requisiten eingesetzt werden.

Um die Anwesenden einzustimmen brachte Tobias Borke zunächst selbst ein Liebesgedicht in Rapmanier dar.

Die Vorträge der ersten Gruppe eröffnete gemäß der Auslosung Florian Kuhn vom Jugendrat mit einem Gedicht angesichts der Sterne.
Als zweite trug Ingrid Hajdinjak, die auch im Literaturkreis Atmosphäre mitwirkt, vier Gedichte vor: „Aufmachen“, „Gewogen“, „Eigenliebe“ und „Deine Nähe“.
Die angehende Lehrerin Alexandra Boger forderte das Publikum (und den Protokollanten) zunächst mit einem Gedicht in englischer Sprache: „Stormy thoughts“ und legte dann viel Gefühl in ihre Variante eines bekannten Gedichts  im Stile Francois Villons: „Ich bin so wild auf deine Erdebeerzunge“.
Nach diesem Fruchtalarm gab Ursula Buchwald mit ihrer Kurzgeschichte „Diffusionen“ eine Begründung, warum es ratsam sein kann, ausschließlich originalverschweißte Bücher zu erstehen.
Da sich Katja Hummel aus Esslingen erst an diesem Abend entschlossen hatte, das Dichtertableau zu vervollständigen, zitierte sie ihr Gedicht auswendig und ergänzte es mit der Bemerkung „Die Welt will erlebt, Menschen erliebt werden.“
Den Abschluss der ersten Runde machte Horst Matrohs, ebenfalls beim Literaturkreis Atmosphäre aktiv, mit einem Gedicht, das sich richtig reimt: „Morgenstund hat Gold im Mund“.
Damit schoss er in dieser ersten Gruppe auch den Vogel ab und wurde zum ersten Finalisten erkoren.

Die zweite Runde eröffnete gemäß der Auslosung wiederum ein Herr Kuhn, Albrecht, nicht verwandt oder verschwägert mit Florian Kuhn, mit seinen Gedichten über einen „Spaziergang durch die Stadt“, die poetische Beschreibung einer Reise „Sonnengrün“ und die Ansichten eines Narren.
Als zweite beeindruckte Angelika Lauppe mit ihren Texten über eine Raupe und eine verschmähte Tänzerin nicht nur durch ihre passenden Textrollen, die für Tobias Borke eindeutig keine Requisiten darstellten.
Gertraude Schreiber aus Waldenbuch, der man nicht anmerkte, dass sie zum ersten Mal an einem Poetry Slam teilnahm, sorgte mit ihrem Bericht über einen Besuch bei Tante Klara für Überraschung.
Gerda Wittmann bewies mit ihren Gedichten „Wettlauf“, "Hüllenlos", „Ungelesen“ und „Vernissage“ Lebenserfahrung.
Kirstin Johannson aus Filderstadt-Bonlanden, die ebenfalls zum ersten Mal an einem Poetry Slam teilnahm, trug ihre Kurzgeschichte „Peng gloße Hilfe“ vor.
Den Abschluss der zweiten Runde machte Heinrich Freer, ein Nürtinger Gymnasiast, mit seinen Gedichten „Wind der Sehnsüchte“ und „Die Treppe“.
Zur Finalteilnehmerin aus dieser Gruppe wählte das Publikum Gertraude Schreiber.

Sie trat also gegen Lokalmatador Horst Matrohs an, der im Finale seinen Prosatext „Stau auf der B 313“ darbot. Gertraude Schreiber zeigte auch mit ihrer Kurzgeschichte „Stellenangebot“, dass sie es versteht, die Pointe bis zum Schluss aufzuheben. Das Publikum war aber nicht bereit, einen der Finalisten zum zweiten Sieger zu degradieren, sondern spendete beiden starken Applaus. So entschied Tobias Borke, dass sie sich die beiden Preise teilen müssen.

Ein erinnerungswerter Literaturabend ging zu Ende mit angeregten Gesprächen, musikalisch untermalt durch die Saxophonklänge von Moritz Goll, der bereits in der Pause zusammen mit seinem Partner Johannes Schneeberger am E-Piano für Musik gesorgt hatte, während Tobias Borke noch seine kritischen Ansichten zur deutschen Rap-Szene mit jüngeren Publikumsmitgliedern diskutierte.


 


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