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  Zukunftsfähiges NT
 
In den Fängen des Kapitals? - 1.7.2017
Im Café denk.art ging es um das Verhältnis von Kunst und Kapitalismus

 

(forumNT) Fragen der Ästhetik und der Kunst waren schon mehrmals Thema im Café denk.art. Am vergangenen Sonntag führte Andreas Mayer-Brennenstuhl vor rund 40 Gästen in der Alten Seegrasspinnerei diesen Strang fort, indem er nach den Funktionen des Ästhetischen und den Möglichkeiten der Kunst im spätmodernen Kapitalismus fragte.

Deutlich wurde dabei, dass auf der einen Seite der Kapitalismus in unserer Zeit immer ästhetischer und kreativer wird – manche Autoren sprechen geradezu von einem „ästhetischen Kapitalismus“  –, auf der andere Seite unterliegt die Kunst mehr und mehr den Gesetzen des Marktes, in dem sie immer kommerzieller wird.

Andreas Mayer-Brennenstuhl berief sich vor allem auf den Philosophen Gernot Böhme, der gezeigt hat, dass die Wachstumsdynamik unserer Wirtschaft nur aufrecht zu erhalten sei, wenn diese sich ästhetischer Mittel bediene. Damit sei nicht nur gemeint, dass Waren schön verpackt sind. Vielmehr seien moderne Unternehmen darauf aus, mit Hilfe der Kunst und der Werbung Lebensgefühle und Sinnsurrogate zu verkaufen, was Mayer-Brennenstuhl mit Fotos eindrücklich illustrierte. Es zähle nicht mehr vorrangig der Gebrauchswert einer Ware, sondern ihr der „Inszenierungswert“ – ein Begriff, den der Kulturkritiker Theodor W. Adorno eingeführt hat.

In diesem Zusammenhang unterschied Mayer-Brennenstuhl mit Gernot Böhme zwischen Bedürfnissen und „Begehrnissen“: Während erstere das ausdrücken, was wir notwendig zum Leben brauchen, stehen letztere für unseren Drang unser Leben, genauer: unseren Status und Ruhm zu steigern. Auch sind  Bedürfnisse zumindest zeitweise zu stillen, Begehrnisse demgegenüber wohnt der Zwang zur permanenten Vervielfältigung inne.

Der spätmoderne Kapitalismus, so Mayer-Brennenstuhl, könne seine Wachstumsdynamik nur aufrechterhalten, wenn er die Menschen dazu verführe, Begehrnisse zu entwickeln und diese zu befriedigen versuche. In der Diskussion nach dem Impulsreferat wurde dann unter anderem gefragt, was jeder einzelne, aber auch beispielsweise Bildungsstätten tun könnten, damit wir nicht in den Sog von Begehrnissen geraten.

Doch zuvor stellte Mayer-Brennenstuhl zwei Spielarten der zeitgenössischen Kunst vor – wiederum illustriert mit Fotos. Die eine werde von ihren Kritikern – so zum Beispiel Wolfgang Ulrich „Siegerkunst“ genannt sei nicht zuletzt auf der "Art Basel" zu sehen. Sie bediene den Kunstmarkt mit imposanten Werken, die zu Höchstpreisen gehandelt würden.

Die zweite Spielart sei demgegenüber vor allem auf der aktuellen "documenta" in Kassel zu sehen. Diese Künstler stellten sich, so Mayer-Brennenstuhl,  mit ihrer Kunst größtenteils in den Dienst eines gesellschaftlichen Wandels und zeigten, wie der Kapitalismus transformiert oder sogar überwunden werden könne. Ausläufer dieser Kunstrichtung, die nicht zuletzt von Josef Beuys und seinem Konzept der sozialen Plastik inspiriert sei, seien auch in Nürtingen sichtbar.

Wie meist im Café denk.art beschränkte man sich nicht auf Vortrag und Diskussion: In Runden an den Tischen wurden anfangs die Gäste vor eine Aufgabe gestellt, die nur kreativ zu lösen war. Ebenfalls in kleinen Gruppen tauschte man sich nach der Pause an den Tischen über die Thesen des Referenten  aus und teilte eigene Erfahrungen zum Thema mit.

Für das Café denk.art ist nun erst einmal Sommerpause. Am 24. September lädt dann das Forum zukunftsfähiges Nürtingen, die Volkshochschule Nürtingen und das noch-nicht-institut um 11 Uhr wieder in die Alte Seegrasspinnerei ein. Dann wird es ausgehend von dem berühmten Höhlengleichnis um die Aktualität der Philosophie Platons gehen.

 

 

 


 


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