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  Soziales
 
Tag der offenen Tür im Sozialpsychiatrischen Dienst - 10.5.2008
Wenn das Leben zur Last wird - Hilfen für psychisch Kranke und deren oft nicht minder leidende Angehörige und Freunde

 

(mw) Der "Sozialpsychiatrische Dienst Nürtingen" ist zu finden, wenn man von der Neckarbrücke aus neckarabwärts Richtung Psychiatrie geht, es ist das gleich das erste Gebäude, die erste Tür (Stuttgarter Straße 2/1).
Ein offenes Tor, liebevoll geschmückt mit bunten Luftballons empfängt mich. Doch auch die anderen Türen sind offen, man kann in jedes Dienstzimmer hinein schauen und hinein gehen.

Die Flure und die Zimmer sind geschmückt mit ausdrucksstarken Gemälden. Teils stammen sie von Betroffenen, teils von Mitarbeiterinnen. In einem Raum finden über den Tag verteilt diverse Vorträge und Veranstaltungen statt: Depressionen, Maltherapie, Bewegung – den Körper erleben, Soziotherapie, Umgang mit Stress und ein tanztherapeutisches Angebot: Verkörperung der Gefühle. Hinten gibt es Kaffee und Kuchen, belegte Weckle, Brezeln, Sprudel und Apfelsaft. Und man kann mit den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kontakt kommen. Eine warme Atmosphäre umfängt mich.

Der Zweck des Sozialpsychiatrischen Dienstes ist es, psychisch Kranken und/oder deren Angehörigen im Altkreis Nürtingen Hilfe angedeihen zu lassen, wenn das Leben zur Last wird. Das geht hin bis zur Strukturierung des Alltags und häusliche Pflege. Erkrankte, Angehörige, Freunde und Kollegen von psychisch Kranken finden fachliche Beratung und Hilfen zu einer besseren Lebensbewältigung und beim Umgang mit Ämtern und Behörden.

Der Sozialpsychiatrische Dienst will dazu verhelfen, dass manche Psychiatrie-Aufenthalte vermieden oder kürzer werden, er will ermöglichen, dass psychisch kranke Menschen in ihrem häuslichen Umfeld mit möglichst geringer Einschränkung leben können.

Psychotikern wird geholfen, eine angemessene Sicht- und Verhaltensweise zu erarbeiten und mit medizinischen Verordnungen klarzukommen, sie umzusetzen.

Unter Soziotherapie kann ich mir ad hoc nichts vorstellen. Ich informiere mich: Soziotherapie ist eine definierte ambulante Versorgungsleistung für Patienten mit schweren psychischen Störungen. Sie soll diese Erkrankten in die Lage versetzen, andere medizinische Behandlungen in Anspruch zu nehmen. Soziotherapie umfasst Trainings- und Motivationsmethoden sowie Koordinierungsmaßnahmen. Für eine Kostenübernahme dieser Leistung durch die gesetzliche Krankenversicherung sind eine fachärztliche Verordnung und eine Genehmigung durch die zuständige Krankenkasse erforderlich.

Es gibt aber auch niederschwellige Angebote: eine Nordic-Walking-Gruppe mit Frau Cewe, einmal jährlich Urlaubsfreizeiten, eine freie Malgruppe mit Frau Ade, eine Tanz- und Bewegungsgruppe mit Herrn Gross, für die nur ein sehr geringer Unkostenbeitrag erhoben wird. Diese Veranstaltungen finden in den Räumen des Sozialpsychiatrischen Dienstes statt, Anmeldung ist jeweils erforderlich unter der Nummer 07022 - 78 58 80.

Selbstverständlich unterliegen die Mitarbeiter der Schweigepflicht, zur Nutzung des Dienstes wird niemand gezwungen. Die Krankenkassen übernehmen nach Prüfung befristet die Kosten für Soziotherapie.

Ich schaue mir noch einige Bilder an. Besonders gefallen mir ein blassblauer Mensch von Steffen Edelmann, flatternde Spatzen von Monika Stoitzner, kleine quadratische Bilder sowie satte Blau- und Rottöne im Zimmer von Frau Ade. Ich trinke noch einen Kaffee, unterhalte mich mit einigen Mitarbeitern, schwinge mich wieder auf mein Rad und fahre am Neckar entlang weiter.

Solche Tage der offenen Tür finde ich sehr hilfreich, weil man dann schon den Weg und der Ort sowie das Angebot und manche Mitarbeiter/innen kennt, falls man den Dienst einmal braucht oder im Krisenfall anderen empfiehlt.

Sozialpsychiatrischer Dienst:
Telefon: 07022 – 78 58 80
Mail: spdi@gpz-nt.de

Bushaltestelle: Neckarbrücke (Linie 74, 167, 188)

Sprechzeiten:
Mo bis Do: 9 Uhr bis 12 Uhr / 13.30 Uhr bis 15.30 Uhr
Freitag: 9 Uhr bis 12 Uhr
sonst Anrufbeantworter


 


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