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  Nürtingen global
 
Sichere Herkunftsstaaten für Roma? - 22.11.2016
Zwei Nürtinger berichteten von ihren Reisen nach Südosteuropa

  (mai) Gut besucht war der Vortrag in der Lutherkirche, der Mitte November im Rahmen der „Eine Welt Tage und Friedenswochen 2016“ stattfand. Am Beispiel von Serbien, Mazedonien und der Slowakei zeigten Michaela Saliari und Manuel Werner die Lebensrealitäten von Roma auf, die als Flüchtlinge nach Deutschland kamen, und in ihre Heimat, sogenannte sichere Herkunftsländer, zurückgekehrt sind. Die beiden haben zusammen mit anderen Menschen diese Länder mehrfach bereist, aktuell wieder im Herbst 2016.

Viele Roma aus Südosteuropa fliehen nach Deutschland. Dafür muss es Gründe geben, denn Familie und Freunde verlässt man nicht so leicht. Roma bekommen die schlechte Wirtschaftslage in ihren Heimatländern besonders zu spüren. Ihre Arbeitslosigkeit liegt weit über dem Durchschnitt. Mangelnde Qualifizierung, Diskriminierung und Rassismus sind die Gründe, es kommt zu einem „ökonomischem Genozid“, Roma sind in der Regel unerwünscht. Michaela Saliari und Manuel Werner stellten dazu etliche Erfahrungsbeispiele von Menschen vor, die sie persönlich kennen.

Arbeit

Wovon leben diese Menschen in ihren Herkunftsländern? Es gibt durchaus Roma, die in der Normalbevölkerung leben, selbst erfolgreiche, sogar berühmte Menschen. Nur wenige outen sich, sie fürchten Nachteile. Die meisten Roma sind Tagelöhner, größtenteils nur saisonal beschäftigt. Ihre Stundenlöhne, teilweise unter einem Euro, werden oft nicht einmal ausbezahlt, denn die Chance, das Geld einklagen zu können, ist für sie gering. Übrig bleibt noch Holz oder Müll sammeln, doch durch neue Gesetze werden auch diese Überlebensnischen reduziert. Sozialhilfe zu bekommen ist nicht einfach, für Roma auf dem Land sind mehrere Fahrten zur Behörde unbezahlbar, oder es fehlen Dokumente, denn viele Roma sind staatenlos. Übrig bleibt das Betteln.

Bildungschancen

Bildung wäre ein Ausweg, doch für sehr arme Menschen ist das nicht so einfach. Das Geld für Schulsachen, Bücher oder Kleidung kann oft nicht aufgebracht werden. Zur Verdeutlichung zeigte Manuel Werner das Foto eines Roma-Ehepaares, das in einer Nürtinger Unterführung bettelte, um Schulsachen für seine Kinder in Serbien kaufen zu können. Die Entfernung vom Wohnort zur Schule ist eine weitere Schwierigkeit, doch selbst wenn ein Schulbesuch möglich ist, ist Mobbing in der Schule an der Tagesordnung. Schlechte Erfahrungen führen bei den Kindern nicht selten zum Abbruch der Schule, um resigniert in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Der Teufelskreis aus Rassismus und Armut dreht sich von Neuem.

Wohnen

Die Mehrzahl der aus Deutschland rückgeführten Roma kommen in Slums und Gettos zurück, jeder Vierte gar in die Obdachlosigkeit. In den Siedlungen, die die Reisegruppe besucht hatte, gibt es selten fließendes Wasser, die Stromanbieter erhöhen ständig die Preise. Viele können das Geld nicht mehr aufbringen und der Strom wird abgestellt. Das Mahnverfahren entspricht dem in Deutschland, mit den bürokratischen Schriftstücken sind die Menschen in der Regel überfordert. Da Holzsammeln immer mehr verboten wird, ist kochen, Körperhygiene, Wäsche waschen oder heizen fast unmöglich. Dabei sind die Winter dort härter als bei uns.

Gesundheitsversorgung

Die Lebenserwartung einer Romni (Romafrau) in Serbien liegt bei 48 Jahren (ein leichtes Raunen ging durchs Publikum, die Zuhörer waren womöglich ausnahmslos älter). Schlechte Lebensbedingungen und Unterernährung spielen eine große Rolle. Eine Krankenversicherung haben die Wenigsten. Das führt dazu, dass Roma oft gar nicht behandelt werden, oder Ärzte Leiden verharmlosen und Patienten mit saloppen Ratschlägen wieder wegschicken.

Sichere Herkunftsländer?

Die Teilnehmer der Reisen sind sich sicher, dass zum Beispiel Serbien kein sicheres Herkunftsland ist. Der Teufelskreis aus Rassismus und Armut besteht zwar schon seit Jahrhunderten, doch derzeit verschärfen sich die Zustände immer mehr. Ein anwesender Rom, der in Deutschland Asyl beantragt hat, berichtete von zunehmender Fremdenfeindlichkeit, Hetze, „Braunismus“ in Serbien, was ein Leben in seinem Heimatland immer mehr unmöglich mache.

Solifond

In Nürtingen haben Engagierte aus der überregionalen Flüchtlingshilfe einen Solifond gegründet, um Menschen, die in völliger Armut leben, in ihrer Heimat zu unterstützen. Spenden für den Solifond sind steuerabzugsfähig.


 


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